
Arne Jacobsen 3017 in Braun
Da ich in dieser Woche besonders lange am Schreibtisch arbeiten muss, habe ich ein Möbelstück in unserer Wohnung ganz besonders wahrgenommen. Zugegebenermaßen gibt es sicherlich komfortablere Sitzmöglichkeiten für das eigene Office, aber da unser Office schlicht und ergreifend gleichzeitig den Esstisch darstellt, haben wir auf rollende, federgestützte Bürosessel verzichtet. Sollte uns nicht sehr bald aus seltsamen Gründen ein Geldregen beschert werden, so dass wir uns vier “Eames Alu Chairs” leisten können, werden wir unsere Hintern weiterhin mit unseren Jacobsen beglücken. Aber das ist ja auch gar nicht schlimm! Selbst wenn die Eames Alu Chairs eines Tages kommen sollten, sind wir uns sicher, dass wir ein Leben lang Spaß an unseren braunen “3107er” haben werden, denn Jacobsens Design ist in vielerlei Hinsicht unerreicht. Waren Sie schon einmal im Mainzer Rathaus? Das ganze Gebäude trägt Arne Jacobsens Handschrift.
Ich erinnere mich daran, wie sie damals geliefert wurden. Wir hatten eine Woche nach unserer Bestellung bei achtgrad fieberhaft auf die Lieferung unserer Vintageware gewartet. Jedes Mal, wenn die Klingel läutete, hatten wir für drei Sekunden aufgehört zu atmen. An dieser Stelle sollten Sie erfahren, dass wir bis zu jenem Zeitpunkt lediglich drei Sitzmöglichkeiten besaßen: Die erste war ein Stuhl mit einem Gestell aus Stahlröhren, dessen abgewetzte Gummifüße derbe Macken in das empfindliche Parkett drückte. Des Weiteren war die zweite ein schlecht gebeizter dunkler Holzstuhl, der permanente Flecken auf heller Kleidung hinterließ. Zuletzt war da noch der wackelige Hocker von einem schwedischen Möbelhaus, dem einer der vier Füße fehlte, so dass er beinahe mit den Qualitäten eines Schaukelstuhls trumpfen konnte. Jedes Mal, wenn wir Gäste zu Besuch hatten, schämten wir uns zu Tode, da zwangsläufig jemand im Stehen seinen Kaffee zu sich nehmen musste.
Als die Stühle tatsächlich geliefert wurden, haben wir sie ganz vorsichtig ausgepackt, als seien sie empfindliche Skulpturen. Es war undenkbar, sich darauf zu setzen! In Anbetracht unserer mangelhaften Sitzmöglichkeiten haben wir uns dann doch rasch getraut und ich kann Ihnen gar nicht beschreiben, was für ein triumphierendes Gefühl das war. Nicht weil wir plötzlich namenhafte Stühle im Haus hatten und auch nicht, weil wir von da an unserem Besuch gegenüber kein schlechtes Gewissen mehr zu haben brauchten, sondern da wir zum ersten Mal ein Möbelstück erworben hatten, das nicht unser bis dato verfolgtes Konzept einer billig eingerichteten Studentenbude verwirklichte. Vielleicht werden wir eines Tage so viel Geld haben, dass wir uns ein ganzes Hochhaus mit 3107er einrichten können. Unsere vier nun lieb gewonnenen Jacobsen werden wir ganz sicher niemals verkaufen.